Banana Republic Band

Es ist bald wieder soweit: 2010 stehen auf den Philippinen die nächsten Präsidentschaftswahlen an. Und damit stellt sich wieder einmal die Frage: wer ist eigentlich Joseph “Erap” Estrada !? Estrada war wie Ronald Reagan Schauspieler – wirkte in über 100 philippinischen Filmen mit – zumeist als Rächer der Unterdrückten und wechselte 1968 als gewählter Bürgermeister von San Juan/Manila in die Politik. Schon aus diesem Job wurde er 1986 wegen (nie belegter…) Korruption von der damaligen Präsidentin Corazon Aquino gefeuert.

1991 gründete Erap die Partei “Kampf der philippinischen Massen” (LMP), 1992 wurde er Vizepräsident während Fidel Ramos Präsident wurde. Während dieser Präsidentschaft bekleidete Estrada das Amt des Chefs der präsidialen Antiverbrechenskommission. 1998 gewann Estrada mit großer Mehrheit die Präsidentschaftswahl. Seine Wählerschaft bestand zum Großteil aus den einfachen Leuten, die sich von der reichen Elite der Philippinen zunehmend entfremdet fühlten und in Estrada einen Mann des Volkes sahen. Estradas PR-Leute bauten auf sein volksnahes Image auf, das er sich durch seine Filme über Jahrzehnte aufgebaut hatte. Vizepräsidentin wurde Gloria Macapagal-Arroy.

Estrada machte sich bei den führenden Familien und den Reichen und Mächtigen der Philippinen schnell unbeliebt, als er einen Zivilisten zum Verteidigungsminister machte und einen ehemaligen Kommunisten zum Agrarminister machte – wer das dortige Militär und die wirtschaftsführenden Familien dort kennt, kann sich vorstellen, daß solches Vorgehen – im Kleinen wie im Großen – doch ziemlich unpopulär ist.

Am 20. Januar 2001, nach vielen Korruptionsvorwürfen, wurde Estrada vom Obersten Gericht abgesetzt und an seiner Stelle Gloria Macapagal Arroyo als Präsidentin vereidigt. Gloria Arroyo kommt aus einer der reichsten und mächtigsten Familien des Landes, gut die Hälfte der Familie kandidiert regelmäßig für politische Ämter mit schönen Slogans wie “The pipols dragon”. Verfolgt man die philippinischen Wahlkampfspots im lokalen Fernsehen, fühlt man sich an blendaxlächelnde Schmierenkomödianten erinnert.

Interessant ist, daß sich die meisten Zeugen der Korruptionsprozesse gegen Estrada heute von Ihren Aussagen distanziert haben und selbst der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Angel Lagdameo, bezeichnete in der Zwischenzeit die Unterstützung der damals gegen Estrada geschürten Massenproteste als “Fehler”. Ebenso entschuldigte sich Aquino bei Estrada für ihre Aussagen. Auf der anderen Seite entschied das Amtsenthebungsgericht, mehrheitlich besetzt von Estrada-Anhängern, einen Briefumschlag mit belastendem Material während der Untersuchungen nicht zu öffnen und nicht zu beachten – ein Punkt, der nicht gerade für seriöses Vorgehen spricht.

Lebt man während eines Wahlkampfes vor Ort, erlebt man eine Bananenrepublik par Excellence: Oppositionelle werden eingeschüchtert und/oder erschossen, Stimmen werden gekauft (von den Landlords für ihren Abgeordneten etc.), Stimmauszählungen werden gefälscht. Auch Gloria Arroyo werden Wahlfälschungen vorgeworfen, es kursieren sehr aufschlussreiche Telefonmitschnitte, in denen Sie die Fälschungen anordnet.

Als wir drüben lebten, kam es in Manila auch zu bewaffneten Auschreitungen gegen Arroyo und zu Straßenkämpfen zwischen Bevölkerung und Militäreinheiten in Manila, zu einem Sturmversuch auf den Präsidentenpalast. Interessant war, daß diese Ereignisse fast jeden bei uns in der Provinz kalt liessen… wenn man um das tägliche Fressen kämpfen muss, kümmert man sich eben wenig um die Geschehnisse in der Hauptstadt. Dazu fehlt die Zeit…

Wer ist also Joseph “Erap” Estrada – der übliche korrupte Bananenrepublikpräsident oder ein durch Verschwörungen gestürzter Gutmensch ? Bald werden wir sehen, wie das philippinische Volk darüber denkt – Estrada wurde kurz nach seiner Verurteilung von Arroyo voll und umfassend begnadigt und tritt 2010 wieder zu Wahl an. Unterstützt von Aquino. Gestützt von der Unzufriedenheit der Filippinos gegen Arroyo. Wie wird es diesmal ausgehen ?!

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